Programm: Sprache und Plattformneutralität

Sprache und Plattformneutralität

Anatol StefanowitschSprache ist gleichzeitig das Ergebnis kultureller und gesellschaftlicher Prozesse und die Plattform, auf der diese Prozesse ausgeführt werden. Diese Plattform ist nicht neutral: Die Sprache, die wir heute sprechen, wurde über Jahrhunderte von den Machtstrukturen einer Gesellschaft geformt, in der heterosexuelle, christliche, weiße Männer nicht nur der selbstverständliche Normalfall, sondern der einzig gedachte Fall waren.

Wie ich in meinem Vortrag zeigen werde, sind diese Machtstrukturen tief und schwer erkennbar im Wortschatz und in der Grammatik des Deutschen (und anderer Sprachen) verankert und sie behindern eine Verwendung von Sprache, die gerecht, transparent ist und auf die Beteiligung aller Menschen abzielt. Wer sich dieser Sprache kritiklos ausliefert, arbeitet damit aktiv an der eigenen Unmündigkeit mit.

Obwohl es nicht leicht ist, die Entwicklung von Sprache aktiv in bestimmte Richtungen zu lenken, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die bereits von vielen Menschen und Organisationen ergriffen wurden, um die Veränderungen zu bewirken, die kurzfristig möglich sind, oder um wenigstens ein Bewusstsein für die strukturelle Problematik unserer Sprache zu schaffen. Diese Maßnahmen werden wir gemeinsam diskutieren.


Anatol Stefanowitsch
bloggt im Sprachlog über Sprache, Sprachpolitik und Kultur, forscht und lehrt an der Freien Universität Berlin und engagiert sich im Netz für sprach- und wissenschaftspolitische Themen. Er lebt in einer Patchworkfamilie in Berlin, Hamburg und dem Internet.

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4 Responses to Programm: Sprache und Plattformneutralität

  1. Pingback: Programm: Sprache und Plattformneutralität | openmind #om12 | CiSci | Scoop.it

  2. A.S. says:

    LITERATURHINWEISE

    Tipp: Mit etwas googeln finden sich auch die meisten hinter Bezahlwänden versteckten Aufsätze irgendwo im Internet…

    Allgemeine Lektüre zum Einstieg in die Thematik

    Fachliteratur

    Pusch, L F (1984) Das Deutsche als Männersprache: Aufsätze und Glossen zur feministischen Linguistik, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main.

    Pusch, L F (1990) Alle Menschen werden Schwestern: feministische Sprachkritik, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main.

    Stefanowitsch A (2012) Sprache und Ungleichheit. Aus Politik und Zeitgeschichte 62(16/17), 27–33
    http://www.bpb.de/apuz/130411/sprache-und-ungleichheit?p=all (Open Access)

    Ein Roman

    Gert Brantenberg, Die Töchter Egalias, 1980 [ISBN 3-88104-163-X]
    (Vergriffen, antiquarisch relativ gut erhältlich)

    Im Vortrag zitierte Literatur

    Sprache, Kategorisierung und Ungleichheit

    Stefanowitsch A (2012) Sprache und Ungleichheit. Aus Politik und Zeitgeschichte 62(16/17), 27–33
    http://www.bpb.de/apuz/130411/sprache-und-ungleichheit?p=all (Open Access)

    Konnotative Leiter/Euphemismus-Tretmühle

    Pinker, S (1994) The game of the name. New York Times, 5. April 1994.
    http://pinker.wjh.harvard.edu/articles/media/1994_04_03_newyorktimes.pdf (Webseite des Autors)

    Nübling, D. (2011) Von der ‘Jungfrau’ zur ‘Magd’, vom ‘Mädchen’ zur ‘Prostituierten’: Die Pejorisierung der Frauenbezeichnungen als Zerrspiegel der Kultur und als Effekt männlicher Galanterie? In: Riecke, J (Hg.): Historische Semantik. Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichte, Bd. 1. Berlin/New York: de Gruyter, 344-359.
    http://www.germanistik.uni-mainz.de/RED/hist_ling/n_uebling/Nuebling%20Pejorisierung.pdf (Webseite der Autorin)

    Systematische Aspekte von Genus im Deutschen

    Köpcke, K M & D Zubin (1996) Prinzipien für die Genuszuweisung im Deutschen. In: Lang E & Zifonun G (Hg.): Deutsch typologisch. Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 1995. Berlin: de Gruyter, 473–491.
    http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/germanistik/lehrende/koepcke_k/1996_k__pcke_zubin_prinzipien_genuszuweisung.pdf (Webseite des Autors)

    Kinder geben Gegenständen Namen, die deren grammatischem Genuns entsprechen

    Flaherty, M (2001) How a language gender system creeps into perception. Journal of Cross-Cultural Psychology 32(1): 18-31.
    doi: 10.1177/0022022101032001005
    http://jcc.sagepub.com/content/32/1/18 (Bezahlwand)

    Grammatisches Genus abstrakter Wörter beeinflusst das Geschlecht von Personifizierungen in der Kunst

    Segel E & Boroditsky L (2011) Grammar in art. Frontiers in Cultural Psychology 1: 244. doi: 10.3389/fpsyg.2010.00244
    http://www.frontiersin.org/cultural_psychology/10.3389/fpsyg.2010.00244 (Open Access)

    Kein Einfluss von grammatischem Genus auf Geschlechtszuweisungen unter experimentellen Bedingungen, die strategische Zuweisung verhindern

    Bender, A, Beller S & Klauer K C (2011) Grammatical gender in German: A case for linguistic relativity? The Quarterly Journal of Experimental Psychology, 64(9): 1821-1835.
    DOI:10.1080/17470218.2011.582128
    http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/17470218.2011.582128 (Bezahlwand)

    Genus bei Personenbezeichnungen, generisches Maskulinum, Möglichkeiten der geschlechtergerechten Sprache

    Pusch, L F (1980) Das Deutsche als Männersprache: Diagnose und Therapievorschläge. Linguistische Berichte 69: 59-74. (Nicht online verfügbar)

    Pusch, L F (1983) Von Menschen und Frauen. In: Pusch L F, Das Deutsche als
    Männersprache. Frankfurt/M. 15-19. (Nicht online verfügbar)

    Geschichte des „generischen Maskulinums“

    Doleschal U (2002) Ein historischer Spaziergang durch die deutsche Grammatikschreibung von der Renaissance bis zur Postmoderne. Linguistik Online 11(2): 39–70-
    http://www.linguistik-online.de/11_02/doleschal.pdf (Open Access)

    Verarbeitung des „generischen Maskulinums“

    Gygax P, Gabriel U, Sarrassin O, Oakhill J & Garnham A (2008) Generically intended, but specifically interpreted: When beauticians, musicians, and mechanics are all men. Language and Cognitive Processes 23(3), 464-485.
    http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/01690960701702035 (Bezahlwand)

    Siehe auch: Sprachlog, Frauen natürlich ausgenommen, http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachstruktur/2011-12-14/frauen-natuerlich-ausgenommen

    Gerechte Sprache in Schweden

    Milles K (2011) Feminist language planning in Sweden. Current Issues in Language Planning 12(1), 21–33.
    http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/14664208.2011.541388 (Bezahlwand)

    Gerechte Sprache und gesellschaftliche Gerechtigkeit

    Prewitt-Freilino J L, Caswell T A & Laakso E K (2011) The gendering of language: a comparison of gender equality in countries with gendered, natural gender, and genderless languages. Sex Roles 66: 268–281.
    http://www.springerlink.com/content/288l761018708t67/?MUD=MP (Bezahlwand)

    Gerechte Sprache in der Satzung der Piratenpartei

    Le Ker, H (2012) Der, die, das Pirat, Spiegel 28/2012.
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-86752052.html

    Satzungsänderung #1933
    https://lqfb.piratenpartei.de/lf/issue/show/1933.html

    Siehe auch: Sprachlog, Sind Piratinnen Piraten, http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachpolitik/2012-06-05/sind-piratinnen-piraten

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